Ist das Leistungsschutzrecht etwa doch unterstützenswert?

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In den letzten Wochen fordert uns Google verstärkt dazu auf unser “Netz zu schützen”. Unser Netz beschützen? Das hört sich gut an. Denken wir doch zunächst an die zahlreichen Freiheiten und Informationssprünge die wir durch unser Netz in den letzten 2 Jahrzenten erzielt haben. Das Google aber evtl. das Netz ganz anders sieht als wir und zudem unternehmerisches Interesse in diese Thematik integriert, lassen wir aber dabei gerne außer Acht und unterstützen Googles Aufruf das Netz zu schützen. Was steckt genau dahinter? Warum ruft uns Google dazu auf unser Netz zu schützen? Und warum sollte die Unterstützung des Aufrufes nicht ohne Vorbehalte Folgeschaft geleistet werden?

Worum geht es beim “Netz schützen” genau?

Bei dem aktuellen Aufruf das Netz schützen geht es um einen Gesetzesentwurf mit dem Namen Leistungsschutzrecht, den die großen Verleger gegen Google fordern. Die Verleger fordern hierbei eine bestimmte Vergütung seitens Google dafür, dass Sie im Google Searchindex (das sind alle Suchergebnisse die Google bei einer Suche auswirft) erscheinen.

Der Teufel steckt im Detail

Zunächst hört sich diese Forderung haltlos und übermäßig an. Erhalten Verlage doch wie jeder andere Webseitenbetreiber auch über Google zahlreiche Besucher vermittelt. Allerdings steckt der Teufel im Detail. Google hat nämlich unternehmerische Interessen und zahlreiche Aktionäre, die an einem möglichst hohen Google Gewinn interessiert sind.

Das ist auch der Grund, warum Google immer mehr Anzeigen in ihre Ergebnisse einbaut und diese mit weiteren Erweiterungen versieht umso von Werbenden einen höheren monetären Beitrag zu verlangen. Zudem tritt Google immer mehr als Content-Lieferant und Vermittler auf: So vermittelt Google außerhalb Deutschlands an seine Besucher bereits Flüge, Autoversicherung, usw. – Google kennt hierbei natürlich keine Grenzen.

Da es Google allerdings nicht dabei belässt eigene Dienste zu veröffentlichen, sondern bisher bestehende, meist zu Verlagen gehörende Dienste im Ranking dafür abstraft und sie im Suchergebnis-Nirwana verschwinden lässt, bedeutet dies für die Verlage wiederum, dass Ihre Dienste die Sie jahrelang aufgebaut haben und die ihnen bisher als Cash-Cows dienten von Google über Nacht zerstört werden. (Wer zu diesem Thema mehr erfahren möchte, dem kann ich nur Philipp Klöckners Artikel “Von der Netz-Demokratie zum Google-Monopoly” wärmstens empfehlen).

Daher haben Verlage ein berechtigtes Interesse daran, dass das Sucherlebnis seitens Google so schlecht wie möglich ist und Besucher zu Konkurrenten wie z.B. Bing von Microsoft wechseln. In diesem Falle müsste Google umdenken und ihr Suchergebnis wieder verbessern. Der wahre Grund, warum Verlage ein Leistungsschutzrecht einfordern ist meiner Meinung nach also nicht, dass sie nicht bei Google erscheinen möchten, sondern um einen effektiven Protest gegen die willkürliche Marktausdehnung und somit langfristige komplett Beeinflussung des gesamten Netzes seitens Google Einhalt zu gewähren.

Gibt es Alternativen?

Besonders Webseitenbetreiber sind bei der Fragestellung nach Alternativen zu einer kompletten Google Beeinflussung gefragt. Schließlich sind sie bislang noch Eigentümer der von ihnen, auf ihrer eigenen betriebenen Seite, erstellter Texte und können durch die sogenannten htaccess Datei beeinflussen wo ihr Text erscheinen darf und wo nicht, müssen dann aber auch damit leben kurzfristig kaum Besucher von Suchmaschinen zu erhalten, bis andere Suchmaschinen den Markt neu aufgemischt haben. Für diese Zeit müssten die Betreiber also auf andere Besucher-Lieferanten zurückgreifen. Ob es komplett funktionieren kann testet gerade Karl Kratz in seinem Near-Googleless-Projekt (zu finden unter https://www.online-marketing.net). Ich bin gespannt auf seine Zwischenberichte sowie auf das Ergebnis wie viel Besucher man langfristig wirklich verliert – und werde mir dann daraufhin meine Rückschlüsse ziehen.

Abschließende Meinung

Ich denke, dass es schwer werden wird das Leistungsschutzrecht durchzusetzen sowie gleichzeitig genügend Webmaster dazu zu bringen Google aus Ihrer Seite zu verbannen. Dies hat zur Folge, dass Googles Suchergebnisse auf einem aushaltbaren Level bleiben, um die Mehrheit der Suchenden bei sich zu halten. Bei der Abstimmung im Bundestag sollte man meiner Meinung nach Google besonders strenge Auflagen auferlegen, um so die Willkür des Suchgigantens in Schach zu halten.

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